Geschichte
Die Bischöfliche Methodistenkirche

Im Jahre 1849 wurde vom deutschsprachigen Zweig der Methodistenkirche in Amerika, der sich trotz der anfänglichen Ablehnung entwickelt hatte, Ludwig Sigismund Jacoby nach Deutschland gesandt, um der vielfachen Bitte aus der deutschen Heimat nach Aufnahme einer Missionsarbeit zu entsprechen. Von Hause aus indischer Abstammung, in Mecklenburg geboren und 1838 nach Amerika ausgewandert, war Jacoby durch Wilhelm Nast (1807-1899) zum Glauben geführt worden, hatte sich ins Predigtamt rufen lassen und sich in diesem Dienst bewährt. Seine erste Predigt in Deutschland hielt er am 23. Dezember 1849 in Bremen. Bei der ersten Versammlung waren 400 Besucher da. Nach wenigen Wochen war eine Gemeinde gegründet. Unabhängig vom wesleyanischen Methodismus breitete sich das Werk rasch nach Süden aus. Jacoby begann auch gleich mit der Bildung einer Sonntagsschularbeit. Er bat dringend um weitere Prediger.

Unabhängig von Jacoby und der Kirchenleitung in Amerika gelangte der Bischöfliche Methodismus nach Sachsen und Thüringen. Zwei Laien, die Brüder Ehrhardt und Friedrich Wunderlich, begannen dort mit einer Missionsarbeit


WUNDERLICH, Ehrhardt, * 2.2. 1830 in Rüßdorf/Thür. + 5.2. 1895 in Cleveland (Ohio) , einer der Begründer der methodistischen Kirche im thüringisch-sächsischen Raum. E.W. war als Sohn des Rüßdorfer Rittergutsbesitzers (unweit von Greiz) lutherisch getauft und konfirmiert. Im Gymnasium war E.W., der eine fromme Mutter hatte, unter den Einfluß des damals mächtig wirkenden Rationalismus geraten. Als er in der Schule mit seiner Gesundheit zu kämpfen hatte, entschloß er sich auf ärztliches Anraten, den Beruf eines Landwirts zu erlernen, fand jedoch keine Ausbildungsstelle. Er entschloß sich 19-Jähriger nach Amerika zu reisen und kam im Herbst 1849 dort an. Sein Onkel, J.G. Weckel, wohnte schon seit ungefähr zehn Jahren in Dayton/Ohio. Er war dort bekehrt und seitdem aktives Glied einer Gemeinde geworden. Der Onkel nahm sich des jungen Neffen an, der in Amerika auch nach einem Glaubensfundament suchen wollte. Unter der Predigt des aus Norddeutschland eingewanderten Wilhelm Ahrens (s.d. Nachtr.) kam er am 24. Dez. 1849 zu der Entscheidung, sein Leben in der Nachfolge Jesu und im Dienst der Kirche zu führen. Es fiel W. nun schwer, das seiner Mutter vor der Ausreise gegebene Versprechen der Rückkehr in die Heimat zu erfüllen. Aber er mußte auch wegen der noch nicht geleisteten Militärpflichten zurückkehren. Am 1. Sept. 1850 kam er in Rüßdorf an. Dort erzählte er von seiner grundlegenden Glaubenserfahrung, sowie vom Glück der Bekehrung und Wiedergeburt. Im elterlichen Hause hielt er zunächst mit seinen Angehörigen und den auf dem Gut tätigen Männern und Frauen Hausandachten. Nachbarn und alte Freunde hörten davon und kamen bald dazu. W. fing an, Traktate zu verteilen und Bibeln zu verbreiten. Ohne es selber zu wollen, wurden aus seinen persönlichen Berichten zeugnishafte, evangelistische Predigten. Menschen, die bisher nur den dürren Rationalismus kannten, bekehrten sich. Es kam zu einer regionalen Erweckung, deren Wirkung man leicht unterschätzt. Nun wurde W. auch in andere Dörfer gerufen, um dort seine Erfahrungen mitzuteilen. Die Räume reichten oft nicht aus. Schon wurde im nahen Waltersdorf ein Tanzsaal zum Predigtraum umfunktioniert. Wenn sehr viele Hörer zusammenkamen, ging man in einen nahen Steinbruch. Die Pfarrerschaft war beunruhigt. Die Polizei griff ein, und bald mußten sich die Gerichte mit der Wirksamkeit des ungerufen Predigers, der nun seine Kreise nicht mehr stören ließ, auseinandersetzen. Haftstrafen, Geldbußen, Landesverweise aus den kleinen Fürstentümern waren die Folge. Der Bremer Superintendent Ludwig S. Jacoby (s.d.), der von der Hansestadt aus die methodistische Mission in Deutschland leitete, kam schon bald nach Rüßdorf und gliederte die dortige Erweckungsbewegung in die von ihm geleitete Missionsarbeit ein. Bei dieser Gelegenheit besuchte er auch einflußreiche Geistliche der lutherischen Kirche. Die unter Wunderlich Erweckten wies er an, das Abendmahl in ihren lutherischen Gemeinden zu empfangen. Während eines Aufenthaltes in Bremen bekam E.W. im Rahmen der kirchlichen Ordnung eine Lizenz, die ihn als Laiengehilfen berechtigte, in methodistischen Versammlungen zu predigen. Bei einem weiteren Besuch in der Hansestadt, zu dem es 1853 kam, nahm er am Evangelischen Kirchentag teil, den es seit Johann Hinrich Wicherns Rede 1848 in Wittenberg jährlich als ein Treffen derer gab, die im Sinne der Erweckungsbewegung arbeiteten und der gleichzeitig zum Treffpunkt der aufkommenden Inneren Mission wurde. Die Bedrängnisse in den Kleinstaaten von Sachsen-Weimar nahmen dermaßen zu, daß Jacoby ganz gegen seine sonstige Gewohnheit dem jungen W. der Rat gab, nach Amerika zurückzukehren. W. heiratete am 12. Mai 1853 Amalie Pauline Meinhardt aus Triebes und wanderte mit ihr zusammen im Juli 1853 aus. In Amerika wurde er bald ordiniert und wirkte als Prediger der deutschsprachigen methodistischen Kirche, die unter den Einwanderern arbeitete. Er sammelte und betreute Gemeinden deutscher Einwanderer in vielen Städten, zeitweise hatte er als Superintendent die Aufsicht über eine größere Anzahl von Gemeinden einer Region. Die Auswanderung war ihm möglich geworden, weil sein Bruder Friedrich, der inzwischen die Verwaltung des Gutes übernommen hatte, und der - was noch viel wichtiger war - nach innerem Widerstreben ebenfalls ein eifriger methodistischer Erweckungsprediger geworden war. Er führte die missionarische Arbeit vehement weiter. Daran konnten ihn auch allerhand behördliche Schikanen und Einschränkungen nicht hindern. Mit den Brüdern Ehrhardt und Friedrich Wunderlich entwickelten sich die Anfänge der methodistischen Kirche in Ostthüringen als eine ausgesprochene Laienbewegung, die dort überraschend zu einer unerwartet fruchtbaren Erweckung geführt hatte. - E.W.s Übersetzung des Liedes »Näher, mein Gott, zu dir...« findet sich bis heute in vielen Gesangbüchern.

Quellen:

> Handbuch "Religiöse Gemeinschaften" Gütersloh 1979
> Verlag Traugott Bautz / Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
> Bilder mit freundlicher Unterstützung des Gemeindebezirkes Waltersdorf

www.bautz.de
Autor: Karl Heinz Voigt

John Wesley
1703 - 1791
Begründer der
Evangelisch-methodistischen
Kirche
Charles Wesley
Bruder von John
Wesley
1707 - 1788
Mitbegründer der
Ev.-meth.Kirche
Erhardt Wunderlich
Friedrich Wunderlich
Rüssdorfer Gut
Kirche in Waltersdorf Einweihung 1869
Die Anfänge des Methodismus auf dem Gemeindebezirk Triebes / Langenwetzendorf

Es war im März 1851 als einige Männer aus Dörtendorf zu dem 1 Jahr vorher aus Amerika zurückgekehrten Erhardt Wunderlich kamen und ihn baten, er möchte doch auch in Dörtendorf von seinen Heilserleben berichten. Am 25. März 1851 hielt dann E.Wunderlichauch seinen ersten Gottesdienst in Dörtendorf und in dem folgenden Sommer richtete er in den umliegenden Orten, aus denen die Menschen nach Dörtendorf gekommen waren, so genannte Klaßstunden ein. In diesen Orten, zu denen auch Triebes gehörte, machte er auch häufig Hausbesuche. In Triebes selbst fanden offenbar schon im Sommer 1851 Gottesdienste statt. Im Frühjahr 1852 mussten diese in den grössten zur Verfügung stehenden Tanzsaal abgehalten werden.
Auch dann, als E.Wunderlich infolge seiner Ausweisung aus dem Amtsbezirk Hohenleuben, zu welchem auch Triebes gehörte, nicht mehr hier dienen konnte, ging die Arbeit weiter. nach der Abreise E.Wunderlichs versorgte sein Bruder, Friedrich Wunderlich Triebes mit.
1866 wurde in Dörtendorf die 1. Methodistenkapelle im Sachsenland errichtet. Die Erbauer waren vornehmlich die Brüder Schennerlein. Da diese Kapelle aber nicht Eigentum der Methodistenkirche, sondern dieser beiden Brüder war, wird sie in keinem Geschichtswerk erwähnt. Erst die einige Jahre später errichtete Kapelle in Waltersdorf war die erste, der Methodistenkirche gehörende Kapelle. Bis zum Jahre 1867 führte F.Wunderlich die Aufsicht über den Bezirk Dörtendorf. Ihm folgten von 1867-1871 Prediger J.Lecher, 1871-1874 Prediger Friedrich Kramer. Unter dessen Leitung wurde das Anwesen in Langenwetzendorf erworben. Von diesem Zeitpunkt an hatten die Prediger, die bisher in Dörtendorf wohnten, ihren dauernden Wohnsitz in Langenwetzendorf und bedienten von hier aus den 22 Stationen umfassenden Bezirk Langenwetzendorf. Zu ihm gehörten neben der Hauptstation Langenwetzendorf die Nebenstationen:
Triebes, Dörtendorf, Hohenleuben, Brückla, Steinsdorf bei Weida, Weissendorf, Remptendorf, Eliasbrunn, Neuendorf, Gerkenwitz, Oschitz, Leutenberg, Landsendorf, Steinsdorf bei Saalfeld, Thimmendorf , Hirschbach, Merkendorf, Triptis, Kleingeschwenda, Naitschau udn Gommla.
Die Einweihung der Friedenskirche in Triebes fand im Jahre 1886 unter Leitung des Predigers J.Strässler statt. Erbaut wurde diese durch die Schwester Ernestine Ludwig, welche unter der Bedingung freier Wohnung der Methodistenkirche ihr ganzes Vermögen verschrieb. Baumeister der Kirche war Ernst Feustel aus Triebes.
Von 1887-1890 betreute Prediger Engelbert Wunderlich (ein Neffe von E.Wunderlich) den Bezirk. Unter ihm kam es auch zur Teilung des Bezirkes. Von Dörtendorf hörte man zu dieser Zeit nichts mehr. 1894-1896 verlegte Prediger E.Zimmer seinen Wohnsitz nach Triebes.
Triebes war nun neues Zentrum des Bezirkes.

Kirche in Triebes 1911
Kirche in Triebes 1950
Kirche in Triebes 1950
Kirche in Triebes 1970